"Stumper Torn" kommt zu neuen Ehren

Infotafel am alten Wehrturm enthüllt

Die Dorstener Zeitung schreibt am 15.03.2013 über uns:

Im vergangenen Jahr wurde am Westwall unter dichtem Gestrüpp ein steinerner „hohler Zahn" entdeckt, an dem der Zahn der Zeit kräftig genagt hatte. Am Mittwoch kam dieser Rest eines mittelalterlichen Wehrturms zu neuen Ehren: Zu seinen Füßen wurde die 37. Dorstener Geschichtsstation enthüllt – sie hat die mittelalterlichen Befestigungsanlagen zum Thema.Geschichtsstation

Was 2001 zur 750-Jahrfeier Dorstens am Franziskanerkloster mit der Einweihung der ersten Infotafel zur Historie der Lippestadt begann, hat sich als gute Tradition fortgesetzt: Schüler der Geschichts-AG des Gymnasium Petrinum erforschen im Auftrag des Vereins für Orts- und Heimatkunde (VOH) und in Zusammenarbeit mit dem Lions-Club Dorsten-Hanse Lokalgeschichte. Und arbeiten die Ergebnisse auf den jeweiligen Stationen knapp und präzise, aber dennoch faktenreich auf.

Sechseckige Bauweise

Die Wiederentdeckung des alten Turmes nahm Geschichtslehrer und VOH-Mitglied Rene Franken zum Anlass, sich mit seinen Schülern dem „Stumpen Torn" zu widmen. „Es ist ungewöhnlich, dass eine Stadt bis zur 37. Station braucht, um ihre alte Stadtbefestigung zu würdigen", erklärte er. Petrinum-Zehntklässler Till Thieme erläuterte bei der Einweihung der Tafel die Arbeitsweise der Schülergruppe. Anhand von alten Akten, Urkunden und schwer zu entziffernden Handschriften kamen die Jugendlichen im Stadtarchiv dem Gemäuer auf die Spur. Die Schwierigkeit dabei: Der „Stumpe Torn", so dessen früherer Name, war im Archiv unter dem Stichwort „Tor" abgelegt. „Torn bedeutet aber Turm", so Rene Franken: „Ein Tor hat es an dieser Stelle nicht gegeben."

„Stump", also „stumpf", wurde der Turm deswegen genannt, weil er als einziger der 20 Türme rund um Dorsten sechseckig und nur von geringer Höhe war. „Er erhob sich nur wenig über die Stadtmauer", so Rene Franken über das Bauwerk, dessen Grundfeste wohl mehr als 700 Jahre alt sein dürften und das wegen eines Bombenangriffs im 2. Weltkriegs in eine Schieflage geraten ist.

Papageienhaus

Vor achtzig Jahren hieß der Turm im Volksmund übrigens „Papageienhaus", das fanden die Petrinum-Schüler auch heraus. Der Grund: Im Wohnhaus, das direkt an den Wachturm gesetzt worden war, befand sich eine Vogelvoliere, in der der damalige Hausbesitzer Wellensittiche gezüchtet hatte. Eine Anekdote, die den Jugendlichen nicht beim Aktenstudium im Archiv begegnete, sondern durch eine Zeitzeugin. „Auf einen Aufruf in der Dorstener Zeitung hat sich eine ehemalige Bewohnerin des Hauses gemeldet, die uns sehr viel erzählen konnte", so Till Thiele.MK