"Der Prozess" in Reimen

Josef K. wird eines Morgens 30 Jahre alt,
da nimmt ein schräger Laden ihn in seine Rechtsgewalt.
Zwei Wächter steh'n im Schlafzimmer und wollen ihn verhaften,
K. scheint dieses erstmal ohne Bammel zu verkraften.

Er hat auch allen Grund dazu, denn jetzt wird ihm bekannt:
Die Männer haben zur Verhaftung keinen Grund zur Hand.
Er darf sogar zur Arbeit, weiter, keine Konsequenz;
doch dies ist nur der Auftakt einer Reihe von Events.

K. wird vorgeladen, nächsten Sonntag vorzusprechen.
K. erscheint auch, er will wissen, was für ein Verbrechen
ihm denn vorzuwerfen ist; doch er findet nichts heraus.
Der Saal liegt stickig in 'nem Gammel-Vorstadt-Mieterhaus.

Am nächsten Sonntag quält sich K. die Treppen neu herauf,
doch findet nur die Alte des Gerichtesdieners auf.
Er will von ihr nur Hilfe und sie selbst will K. abschleppen,
da kommt ein Rechtsstudent vorbei und sie lässt sich kidnappen.

K. checkt nicht mehr wirklich was und steigt bis unters Dach.
Dort oben sind Kanzleien. Plötzlich fühlt sich K. ganz schwach.
Die Luft ist dort so schlecht und durch Papier wird K. erdrückt:
Der Leser schnallt das Bild und Depri-Franz ist ganz beglückt.

Eines Abends kommt Herr K. an einem Raum vorbei,
Zur Kammer macht er auf die Tür und drinnen gibt's Geschrei:
K.s Verhafter waren bös', der Prügler peitscht sie mit 'nem Gurt
Am nächsten Tag das Gleiche. Und es wirkt auf K. absurd.

K.s Onkel kommt und will echt wissen: Ist der Josef schuld?
Darum schleppt er ihn zu seinem Anwaltskumpel Huld.
Der ist so krank wie Der Prozess und Leni muss ihn pflegen.
Doch K. lässt sich von Leni zu 'nem One-Night-Stand bewegen.

Während Huld nichts unternimmt, wird Josef K. doch recht nervös.
Er besucht den Maler Titorelli, Kenner des Milieus.
Der verrät ihm: Man kann niemals dem Gericht total entfliehen.
Huld will daher warten. K. ihm das Mandat entziehen.

K. ist um den schnellsten Scheinbar-Freispruch sehr bestrebt.
Erst recht durch Kaufmann Block, der voll von Huld abhängig lebt.
Auch wenn der Fall dann wiederkommt, trennt K. Huld vom Mandat.
Der redet ihm in sein Gewissen. K. bleibt aber hart.

Der Prozess beschäftigt K. und lähmt ihn wie ein Gift.
Das bleibt auch so, als er im Dom auf einen Priester trifft:
Der erzählt ihm 'ne Parabel, was der K. jedoch nicht rafft.
Ein Mann hat Schiss vor Widerstand, weshalb er es nicht schafft.

Ein Jahr später: Josef K. ist innerlich gebrochen.
Zwei Männer führ'n ihn ab. Entkleidet wird er dann erstochen.
War er also schuld? Die Frage wird gar nicht geklärt.
Eins ist aber klar: Er hat sich nicht einmal gewehrt.

© Nils Pelster 2017.