Jüdische Lebenswege in Westfalen
Ein Schülerprojekt des Gymnasium Petrinum Dorsten

> Kontakt > Impressum
home
Rolf Abrahamsohn
Rolf Abrahamsohn
Jenny Aloni
Jenny Aloni
Erich Gottschalk
Erich Gottschalk
Imo Moszkowicz
Imo Moszkowicz
Jeanette Wolff
Jeanette Wolff
Marga Spiegel
Marga Spiegel
Jüdisches Museum Westfalen
Gymnasium Petrinum Dorsten
Benno Elkan >> Tabellarischer Lebenslauf
>> Werke
Elkans Werdegang zum Künstler

Benno Elkan, 1877 in Dortmund geboren, gilt als ein wichtiger Bildhauer unserer Region. Zu seinen Werken zählen Grabsteine, Medaillen, Portraitbüsten, Denkmäler und Leuchterarbeiten. Ein besonderes Werk von Elkan ist die "große Menorah" vor dem israelischen Parlament in Jerusalem. Elkan hielt sich überwiegend in London, Frankfurt am Main und Dortmund auf. Sein Vater, S. Elkan, war als Kaufmann tätig. Nach dem Besuch eines Gymnasiums bewarb er sich 1907 um ein Rom-Stipendium. Mit zwanzig Jahren besuchte er 1897 in München eine Privatschule. Er bestand die Aufnahmeprüfung und wurde Ostern 1898 in die Klasse eines Bildnismalers aufgenommen.

Später mietete sich Elkan ein Atelier in Karlsruhe. Von dort ging er 1905 nach Paris. Er stellte einige Medaillen und Plaketten aus. Elkan lebte zunächst nicht ständig in Paris. Er reiste zwischen Karlsruhe, Dortmund und Paris hin und her, bis er sich im März 1906 in Paris niederließ. Dort veranstaltete er noch im gleichen Jahr seine erste Einzelausstellung. Lukrative Aufträge ermöglichen es Benno Elkan 1923 nach Spanien zu reisen. Von hier brachte er das Manuskript mit, dass 1926 unter dem Titel: "Spanien - von einem Künstler gesehen" in München erschien.


My uncle Einstein

Benno Elkan heiratet 1907 in Karlsruhe die Pianistin Hedwig Judith Einstein. Eine Verwandtschaft zur Familie des Physikers Albert Einstein ist nicht schlüssig nachzuweisen, jedoch teilte Ursula, die Tochter Benno Elkans mit, dass ihr Vater über Albert Einstein sagte, dass er der zweite Cousin von dem Vater ihrer Mutter, Daniel Einstein, sei.

Rom

Benno Elkan zog mit seiner Frau von Paris nach Rom. 1908 erhielt er den Rompreis der Berliner Michael-Beer-Stiftung, um den er sich im Jahr zuvor beworben hatte. Er zog in eine Etage in einem der bescheidenen Palazzi, ehemals zum Palast Papst Julius III. gehörig. Ein Atelier befand sich in der Via Quattro Fontane. In Reisenotizen und späteren Manuskripten sind Elkans Beschäftigungen mit der italienischen Geschichte und Kunst festgehalten. Ein Auftrag aus der Dortmunder Heimat führt Elkan zur Beschäftigung mit der Antike: Persephone, Tochter des Zeus und der Demeter, Gattin des Hades, Sinnbild des Werden und Vergehen der Natur und der Unsterblichkeit der Seele, entstand als lebensgroße Figur für ein Grabmal. Elkan unterbricht mehrere Male seinen Romaufenthalt, um nach Deutschland zu reisen. Einige Aufträge erforderten seine Anwesenheit, so auch die Einrichtung eines Hauses in Alsbach an der Bergstraße, wohin er 1911 mit seiner Frau und der kleinen Tochter Ursula übersiedelte.

Alsbach an der Bergstraße

Durch Auftragsarbeiten waren die nächsten Jahre Elkans bestimmt. Im Jahr 1912 entsteht in seinem Atelier ein Totenmonument im höchsten Sinne, der "Stein der Klage", bestimmt  für den kleinen jüdischen Friedhof in Mönchengladbach. Bis zum 1930 geschaffenen Mainzer Denkmal reichte die hier beginnende Reihe der großen Steinskulpturen. Die "Heldenklage", die 1913/1914 entstand, ist eine dieser strengen bildhauerischen Arbeiten. Sie wurde 1920 in Frankfurt am Main als Denkmal für die Opfer des Krieges aufgestellt. Sie stellt eine im Schmerz zusammengesunkene, klagende Muttergestalt dar. In diesem Werk finden sich die Vorahnung des Unheils, das bereits 1914 beginnt.

Kriegausbruch

Nach Kriegsausbruch wird Elkan als Versorgungsoffizier an die Ostfront kommandiert. 1918 erscheint sein Buch "Polnische Nachtstücke", in dem er seine Kriegseindrücke verarbeitet. Wie lange Elkan am Krieg teilnimmt, wissen wir nicht. An Cholera erkrankt, wird er aus dem Frontdienst entlassen und zur Postüberwachung nach Frankfurt am Main überwiesen. Bis zum Oktober 1919 bewohnt er noch das Haus in Alsbach mit seiner Familie, dann zieht er nach Frankfurt um. Das Haus an der Bergstraße bleibt als eine Art Sommerhaus in seinem Besitz.

Frankfurt am Main

Im Westen Frankfurts findet Elkan am Guiollett-Platz seine neue Wohnung. In der Nähe des Mainufers, im umgebauten Winterrefektorium des alten Karmeliterklosters, liegt das Atelier. Wie gut sich Elkan dort in Frankfurt einlebt, zeigt ein Zitat aus einem Brief Elkans:

"Im Jahre 1918 und 1919 ging durch die Bevölkerung ein Strom von Idealismus, der hoffte und sehnlichst herbeiwünschte, dass neue Zustände die Menschen glücklicher machen sollten. Alle möglichen politischen Bewegungen setzten ein, um diesem Ziel näher zu kommen. Darunter auch ein ‚Künstlerrat’, dem ich angehörte. Das Ziel war, für alle Arbeit zu beschaffen und Günstlingswirtschaft und Diktatur von modisch fanatisch und somit einseitigen Kunstreferenten zu begegnen. Der Magistrat Frankfurts forderte den Künstlerrat auf, einen Delegierten aus ihren eigenen Reihen, also einen Künstler, zu ihren Beratungen zu schicken, ich wurde dazu ausgewählt und arbeitete mit dem Magistrat zusammen, 1 oder 1 ½ Jahre und wir erreichten, dass viele Aufträge für städtische Rechnungen gegeben wurden."
(Auszug, Benno Elkan. Ein Kosmopolit aus dem Ruhrgebiet, "o. J")

Flucht aus Deutschland

Schon seit 1921 arbeitete Benno Elkan an einem größeren Werk: Ein figurengeschmückter Bibelleuchter. Es wird deutlich, dass Elkan der jüdischen Religionsgemeinschaft verbunden ist. 1933 bereitete sich Elkan darauf vor, Deutschland aufgrund der antisemitischen Hetze zu verlassen. Daraufhin emigrierte er nach London, wo er sich eine Unterkunft suchte. 1935 reiste Elkan während der Sommermonate in die Schweiz. In Lausanne fertigte er neben dem Portrait des Schweizer Minister Walter Stucki die Büste des jungen Königs von Siam, Ananda Mahidol, an. 1943 wurd Elkans Haus in London von Bomben beschädigt. Auf der Suche nach einer von den Kriegswirren entfernteren Unterkunft fand er in Oxford eine Etage. Später wandte sich Elkan wieder einem freien Thema zu: Es entstand ein Davidsleuchter von fast 2,5 Meter Höhe. Damit stellte er seine künstlerischen und auch literarischen Fähigkeiten erneut unter Beweis.


Hier hören Sie eine kurze Einführung. (0.32 min./mp3)
Sound






Benno Elkan
Benno Elkan
Quelle: Jüdisches Museum Westfalen

Besucher
kostenlose Besucherzähler
© Jüdisches Museum Westfalen / Gymnasium Petrinum Dorsten
Juni 2005